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ungewöhnliche Literatur für unbeschreibliche Wesen

bio-i-miner: Sprache - Leben

Das Kapital ist die deutsche Sprache, eine der wenigen, die durch das Feuer einer unermesslichen Schuld zu einer Schärfe geschmiedet wurde, die der eines Samurai-Schwertes in keiner Weise nachsteht. Sie befähigt, in Bereiche vorzudringen, in denen die Luft den Atem raubt, befähigt, die Grenzen zwischen dem Sichtbaren und Unsichtbaren unserer Welt zu beschreiben.

So spricht also weniger ein Mensch, sondern durch ihn die Wirklichkeit eines durch die historischen Umstände geformten Seins mit all dem, was sich an Stimmigkeit und Unstimmigkeit zwischen dem Sprechenden und seiner Wahrnehmung abspielt.

Die Eigenart unserer Sprache lässt sich an einem Bild darstellen: es gibt zwar viele Sprachen, aber sie bestehen nur im Bezug auf einer von Menschen in einem bestimmten sozialen Gefüge und lebendigen Umwelt getragenen Wirklichkeit. Etwas verkürzt gesagt bedeutet dies, dass Wirklichkeit keine individuelle Tatsache ist, sondern sich durch die Anwesenheit vieler Wesen zu erkennen gibt. Diese Wesen sind nicht nur Menschen sondern auch Tiere, Pflanzen, Steine, Erde, die Wolken... alles, was sich unserem bewussten Sehen an Eindrücken vermittelt. Das Auge steht für das Erkennen, das sich zu Erkennengeben und das Erkanntwerdenwollen, wollten wir nicht als unsichtbarer Beobachter hinter verspiegeltem Glas verschwinden. Darüber hinaus aber unterliegen wir Einflüssen, die wir nicht unmittelbar über unsere Sinne wahrnehmen können, wie Radioaktivität, Magnetismus und einer Vielzahl kosmischer Strahlen und Partikel. Diese Kräfte galangten nur über Messinstrumente bzw. bestimmte Erscheinungen in unser Blickfeld und bedurften zu ihrer Deutung eingehender Untersuchungen. Es ist anzunehmen, dass weitere Kräfte wirken, deren Wirkungsweise und Herkunft noch gänzlich unerforscht sind.

bio-i-miner steht für biological information miner, das heisst für einen Bergarbeiter, der sich durch ein Reservoir noch unbekannter Schätze quält, die ihm sein biologischer Organismus durch seine unbegreifliche Vitalität wahllos vor die Füße wirft. Als wir 2003 mit dieser Website begannen, ging es um die Besonderheit bilogischer Systeme, sich mittels eines in unterschiedlichem Umfange und unterschiedlicher Geschwindigkeiten modifizierenden genetischen Programms immer wieder an wandelnde Umweltbedingungen anzupassen. Man könnte fast sagen, wie unter Zwang richtete sich das Augenmerk zunehmend auf die atomare Struktur unserer Welt, genauer gesagt, unseres Weltverständnisses. Es handelt sich um eine Kuriosität unseres Denkens, einerseits bei der Untersuchung physikalischer Prozesse von einer "toten" Materie zu sprechen, andererseits aber zu wissen, dass unser physisches Sein auf eben dieser Materie aufbaut und wir uns dennoch als lebendig verstehen. Das hindert uns offensichtlich nicht im Geringsten daran, auf äusserst destruktive Weise gegen sie vorzugehen, wie etwa in den grossen Teilchenbeschleunigern. Das Ergebnis ist der zu einem biologischen System oder Wandler kondensierte Mensch in tiefstem Selbstzweifel.

Wir, Mensch wie Tier wie Pflanze wie Mikroorganismus, sind Wandlungen unterworfen, selbst die Erde wandelt ihr Gesicht, das Klima, die Kontinente, die Flüsse usw. Und Wandler sind sowohl Messinstrument als auch Agierende. Ein ungeahnter Fundus für Deutungsfreudige. Die Deutung aber läuft über die Sprache. Sprechen ist ein aussergewöhnlicher Luxus, einer, der - wenn nicht durch irgendetwas verhindert - unmittelbar dem menschlichen Wesen zukommt.

Wenn Sprache nicht für den Stimmenfang oder zur Verschleierung von Absichten missbraucht wird, hat sie durchaus praktischen Nutzen im Umgang miteinander und zueinander. Selbst unser Verhältnis zu Tieren, Pflanzen und der sogenannten "toten" Materie findet in ihr deutlich Ausdruck. Darüber hinaus erlaubt sie uns in Bereiche vorzudringen, die dem Denken zuzuordnen sind und damit kein unmittelbar sinnliches Äquivalent haben. Eine zentrale Rolle jedes Denkens spielt die eigentümliche Tatsache, dass Konflikte trotz vermeintlich tiefsten Eindringens in die Gesetzmässigkeiten des Seins nicht verhindert werden können, ja sogar damit einhergehen bzw. dadurch verursacht werden. Im Aussprechen verlässt die Sprache den Sprechenden und beginnt, eine eigene Wirklichkeit zu entwickeln. Religionen, Ideologien selbst Naturwissenschaften - Ergebnisse redlichen Bemühens ausgezeichneter Köpfe - führen neben wohltuenden Wirkungen auch zu unfassbaren Kriegen, zur Ausbeutung von Menschen und Natur bis hin zur vollständigen Annihilation unseres als materiell verstandenen und empfundenen Seins durch höchst gewaltsame Zertrümmerung von Atomen wie im Fall der Experimente im Europäischen Kernforschungszentrum in Genf, dem CERN-LHC-Reaktor ->. Weder Gott noch die Evolutionstheorie geben uns einen Hinweis darauf, woraus diese Gewaltspirale ihre Nahrung erhält und welchem Zweck sie dienen soll. Wir scheinen zum Leben gezwungen zu sein. Zugleich aber geschieht etwas höchst Verblüffendes. Weder Religionen noch Ideologien noch die Wissenschaften können dieses Wunder deuten: das Empfinden individuellen Seins, jenes einzigartig Ereignishafte mit Selbstwahrnehmung - bereit und dafür ausgestattet, sein Innerstes in Sprache und Taten zu transformieren, Dokumentare des Unbegreiflichen. Dieser Aufgabe stellt sich der Verlag.

Ausgabe: Februar 2010


 
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Created: 07.02.2008

Last Update: 25.02.2010

www.bio-i-miner.com

Mailto: Udo Zawierucha