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Kollisionen
Es ist eigenartig. Ein Begriff erspürt sich
und ermittelt die Tragweite seiner Bedeutung.
Ich hatte einen Brief bekommen. Ich war auf einer
Ausstellung am neuen U-Bahnhof Bundestag. Ich habe einen Leitartikel
gelesen in der Süddeutschen
Zeitung . Ganz langsam begann der Begriff zu arbeiten. Er arbeitete
sich vor zu meiner Hand. Collider - so nennen es die Physiker, jener
Apparat höchster Verehrung. Ich traf einmal im Zug einen jungen
Physiker, der am DAISY in Hamburg arbeitete. Seine Augen glühten
vor Begeisterung, in jenem inneren Zirkel der Materieforschung sich
bewegen zu dürfen. Esoterische Kathedralen mit begrenztem Zutritt,
Religion der Exklusiven. Nun aber bewegen sie sich aufeinander zu,
die Armen und die Reichen. Sie wollen es nicht, aber die Kräfte
übersteigen ihren Willen. Aus allen Ecken der Welt werden Menschen
angezogen, um des Reichtums teilhaftig zu werden, des unermesslichen
Reichtums, des unvorstellbaren Reichtums. Aus allen Ecken der Welt
werden die Reichen angezogen, um der Bodenschätze habhaftig
zu werden. Aus allen Ecken der Welt werden die Menschen vertrieben,
weil sie nicht mehr Herr ihres Bodens sind und sich zu verdingen
hoffen in den Ländern des farbenprächtigen Wohlstands.
Mit dieser Analogie möchte ich veranschaulichen,
wie zwei in entgegengesetzter Richtung beschleunigte Massen - im
Urzeigersinn laufend die extrem Reichen, Manager mit Superboni,
und in entgegensetzter Richtung, die extrem Armen, die also, die
nicht einmal das Nötigste zum Essen haben oder deren Grund
und Boden ihnen genommen wurde - sich zu der für die "Welterkenntnis"
elementaren Kollision treffen. Wir werden also sehen, an welchem
der Punkt der Erde die Kollisionen stattfinden und welche Folgen
sie zeitigen werden.
Aus allen Collidern entweichen die Kollisionen.
Zusammenstöße unvorstellbaren Ausmaßes. Physiker
sagen, der Kosmos macht uns das schon lange vor. Das ist nur ein
Teil der Wahrheit, der andere: niemand hat bisher annähernd
lichtschnelle Protonen im Kosmos kollidieren sehen, noch konnten
lichtschnelle Bleiatome beim Eintauchen in die Erdatmosphäre
beobachtet werden. Man vermutet zwar einen Teil der gemessenen hochernergetischen
Partikelstrahlen aus derartigen Kollisionen, aber woher sie wirklich
kommen, liegt im Dunkeln.
Bezeichnenderweise wird deshalb
im CERN-Sicherheitsbericht ->1 schon in der
Einleitung darauf verwiesen, dass hocherenergetische Strahlen in
der Erdathmosphäre gemessen werden. Sie entsprechen in etwa
dem, was in den Teilchenbeschleunigern bisherige Materiekollisionen
an Strahlungen produzierten. Daraus aber zu schließen, dass
auch im Universum Protonen mit Lichtgeschwindigkeit kollidieren
ist in etwa so, also würde ich von der Wahrnehmung einer Apfelfarbe
auf das Vorhandensein eines Apfels schliessen. Noch, so kann ich
mit Gewissheit sagen, wissen Physiker nicht alles über die
Welt. Wären allerdings die Kollisionen gleichen Ursprungs wie
die ihrer bereits stattfindenden Experimente, müsste sich auch
in den kosmischen Strahlen das ersehnte Higgs-Boson finden lassen.
Aus ihren Verschleierungsstrategien lässt sich
nur folgern: Die Physiker sagen nicht die ganze Wahrheit, wozu sonst
wurde die Experimentieranordnung einhundert Meter tief in Juragestein
gebohrt, mit einem gewaltigen Aufwand? Dennoch glaubt sich niemand
zuständig, die Sicherheitsmassnahmen dieses merkwürdigen
Apparates unabhängig von den Wunschvorstellungen seiner Betreiber
auf hinreichende Sicherheitsmassnahmen zu begutachten und zu überprüfen.
CERN ist ein exteritoriales, ausserweltliches Gebilde, vergleichbar
dem Vatikan. Mit ihm konkuriert es um die Weltdeutung, hier wird
die Frage meines Seinsgrundes geklärt. Doch das wird nirgendwo
explizit gesagt; hatte nicht selbst Einstein von Gott gesprochen?
"Gott würfelt nicht!", dieser Satz ging um die Welt.
Und nun - wer würfelt da? Es ist keine Physik, die nach dem
Ursprung des Seins forscht, es ist Metaphysik, um nicht zu sagen:
Mystik.
Der mystische Zweig der Physik glaubt an den Ursprung
des Seins aus der Materie, also aus sich - ohne einen Gott. Das
CERN, Europas Kernforschungszentrum in Genf, hat mit einem 28 km
langen Beschleunigerring für 6 Mia. Euro einen Reaktor - "Weltmaschine"
->2), "Kathedralen der Wissenschaft"
- bauen lassen, der den Anfang des Universums rekapitulieren soll.
Dieser Glaube ist legitim, aber: nicht Nachweisbar. Aus der Logik
des Denkens heraus ergibt sich der gleiche Umstand wie für
die Theologen: Ein Gottesbeweis widerspricht der unaussprechbaren
Größe Gottes, ein Materiebeweis der angeblichen Beweiskraft
des materiellen Seins selbst. Die Fähigkeit, Realität
denken zu können, ist der einzige Zugang zu dem, was wir als
solche bezeichnen können. Auch wenn spitzfindige Denker stets
versucht haben, dem Sein einen Grund zu geben - es ist nicht nötig.
Weder wird es dadurch wirklicher noch lässt sich das Sein dadurch
verändern. Es vermag gegebenenfalls das einfache Gemüt
ebenso zu verblüffen, wie der Zauberer den ungeschulten Blick.
Doch als Physik kann diese Art der Begierde nicht bestehen. Sie
sollte sich darauf beschränken, mit nachvollziehbaren Geräten
nachvollziehbare Prozesse zu beschreiben. Doch statt dessen bekritteln
wir Menschen , wie der Heilige Franziskus die Erde und unser Leben
nannte: "das Buch Gottes" mit immer neuen Anmerkungen,
Löschungen (Artensterben, Öl- , Gas- und Uranverbrennung)
und Schöpfungswahn (genmanipulierte Nahrung usw.). CERN hat
eindeutig die Grenze der Physik überschritten und bewegt sich
auf der Ebene von Anmaßung, Gottesbeweisen und Kathedralenbau.
Ein etwas alter Hut neu aufgelegt. Und niemand fragt, wer diesen
Unsinn glaubt und doch sind wir von staatswegen gezwungen, dafür
zu zahlen, mit unseren Steuern. Allein der Betrieb, das Personal
und der Energieverbrauch verschlingen pro Jahr annähern 1 Mia.
EUR (2007 waren es 650 Mio. EUR, aber da lief noch nicht viel),
so ist zu lesen. Wieso der Staat - auch die
Bundesrepublik Deutschland - die religiöse Urknallbewegung
derart massiv (sie trägt 20% des Budgets) unterstützt,
obwohl aus der Weimarer Verfassung die Trennung von Kirche und Staat
entsprechend Artikel 137 in das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland
->3) (Artikel
140) übernommen wurde, bleibt
ein Deutungsgeheimnis. Wir haben wohl zu akzeptieren, materialistische
Spekulationen nicht als Religion bezeichnen zu dürfen; ohne
Gegenbeweis. Wenn Physiker meinen, sie hätten eine interessante
Frage zu klären, so, bitte schön, sollten sie sich, wie
viele andere, ihr Geld dafür verdienen und ihre Anhängerschaft
davon überzeugen; aber nicht auf Kosten von Menschen, die nicht
einmal wissen, worum es eigentlich geht und die es auch kaum betrifft.
Urknall! - Wann war denn das, das letzte Mal? Ach ja, am 19. September
2008 knallte es - wenn auch nur leicht - bei einem CERN-LHC-Experiment.
Die Folge: ein Jahr Stillstand. Dieser Stillstand ist zugleich ein
Stillstand, den es seit den 20er Jahren in den Naturwissenschaften
gibt: Erkenntnis durch Zerstörung, Experimente am Leben, der
Mensch als interessefreies Erkenntniswesen. Man braucht den Medien
nur zu lauschen, um zu wissen, an welchem Punkt wir uns befinden;
kurz vor dem Knall.
An dieser Stelle seien auch die gedanklichen Implikationen
dieses Experiments erwähnt, denen sich der Essay Kollisionen
II von Herold Benson widmet.

Findling in Berlin Grunewald,
Foto: ©Udo Zawierucha, 18.04.2009
Am 9. April 2009
habe ich an die für die Sicherheit des LHC zuständige
Gruppe im CERN nach Genf geschrieben->4).
Da ich bisher keine Antwort bekommen habe, nehme ich an, das Papier
ist dort nicht angekommen. Ich werde es also noch mal versuchen,
per Einschreiben.
Quellen:
Startschuss für den größten Beschleuniger
der Welt http://www.dradio.de/dlf/sendungen/wib/789600/
Sicherheitsbericht zum CERN - LHC - Reaktor
http://public.web.cern.ch/Public/en/LHC/LHC-en.html
Widerstand gegen CERN - LHC, mit einer Beschwerde
an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte:http://www.lhc-concern.info/
Sueddeutsche Zeitung - Angst vor dem Unsichtbaren,
Kommentar: http://www.sueddeutsche.de/wissen/568/309504/text/
Ein weniger spektakulärer dafür aber sehr
handfester Einwand gegen die Sicherheitsbetrachtungen der CERN Technologiefolgenabschätzung
- ein Auslegungsfehler: http://www.rqm.ch/medieninformation_vom_23.htm
Eine rechtswissenschaftliche Untersuchung zur Erstellung
einer Klageschrift zum Fall CERN-LHC und warum bisherige Versuche
gescheitert sind: ->http://www.eejlaw.com/lhc/
THE BLACK HOLE CASE: THE INJUNCTION AGAINST THE END OF THE WORLD
by Eric E. Johnson in: 76 TENNESSEE LAW REVIEW 819 (2009) [arXiv
abstract] [article
pdf]
Fussnoten
1) Sicherheitsbericht
zum CERN - LHC - Reaktor
http://public.web.cern.ch/Public/en/LHC/LHC-en.html
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2)Laut
der Broschüre "Weltmaschine" des Bundesministerium
für Bildung und Forschung: http://www.weltmaschine.de/service__material/
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3)Das Grundgesetz für die
Bundesrepublik Deutschland http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/gg/gesamt.pdf
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4) Anschreiben an CERN LHC
Safety Assessment Group, Theory Division, Physics Department:
LHC
Safety Assessment Group - Deutsch mit Anhang
LHC
Safety Assessment Group - Englisch with appendix
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